Die 'Eclipse solar annular' auf hoher See.

 

Alle paar Jahre zieht es mich auf's Meer. Der Segeltörn, der diesen Herbst geplant war, konnte ich so planen, dass er mit der ringförmigen Sonnenfinsternis in Spanien zusammenfiel.

 Am Tag zuvor hiess es 'Leinen los', und wir segelten von Denia in eine wind- und vor allem wellengeschütze Bucht südlich von Cabo de la Nao.

 Hier genossen wir die wieder die zum Vorschein gekommene Abendsonne und machten uns bereit für den kommenden langen Segeltag an dem wir nach Formentera übersetzten (ca. 60 nautische Meilen.) Um 5:15 Uhr wurde der Anker gehoben und unter einem Prachts-Sternennhimmel bei 5 Beaufort rauschte unsere Bavaria 50 mit ca. 8 Knoten gegen Ost-Süd-Ost praktisch der Zentrallinie nach.

Der Küste entlang bildeten sich wieder viele Wolken, und wir hofften das dies auf dem offenen Meer anders sein würde. Gegen 9 Uhr zogen sich die Wolken an den Horizont zurück, und der 1. Kontakt stellte sich ein als der Mond von oben her auf die Sonne glitt. Ein Viertelstunde vor dem Beginn der Ringförmigkeit lies ich die Yacht beidrehen, sodass wir uns voll diesem Schauspiel widmen konnten.

Interessante Blicke auf dem Meer

 

Von nun an hatten wir alle fast permanent die Sonnenfinsternis-Brille an. Leider hatten wir immer noch etwa einen Meter Seegang, und an ein normales Fotografieren war nicht zu denken. Dennoch versuchte ich ein paar Schnappschüsse. Kurz vor dem 2. Kontakt waren an den Schatten der herumbaumelnden Schoten und Leinen kleine Schattensicheln auszumachen - die Crew konnte dieses Phänomen kaum glauben. Zusammen erhaschten wir dann den Augennblick als sich die Mondscheibe nun vollends vor die Sonnne schob: ein himmlischer Ring entstand.

Etwas enttäuscht war ich von der vorherrschenden Helligkeit (bei einer Rest Sonnenscheibenfläche von 5%); ich hatte mir es wesentlich dunkler vorgestellt. Vielleicht halb so finster wie vor 3 Jahren in Südafrika bei der totalen Finsternis. Auch ein grosser Kernschatten, der schnell übers Meer ziehen würde, war halt keiner auszumachen.

 

Ringförmigkeit auf dem Schiff verursacht leichtes Verziehen des Fotos.

 

Nach rund 4 Minuten - wir vergassen die genaue Zeit zu messen - löste sich eine feine Perlschnur innert Sekunden auf der Gegenseite auf, und eine riesige Sichel entstand, die aber schnell wieder zu einem normalen 'Gipfel' zurückwuchs.

Dieses gemeinsame Erlebnis lies uns 10 zu einem grossen, abschliessenden Jubeln verleiten.

So dann hiess es wieder Segel dicht holen und Kurs auf La Sabina, Formentera, nehmen. Delfine sollten diesen 3. Okt. 2005 noch weiter in Erinnerung behalten.

In den nächsten Tagen war dann noch ein wenig Biken und die Umrundung von Ibiza angesagt. Vor der Heimfahrt nach Denia war beim letzten Ankertrunk neben der Venus auch die junge Mondsichel schon wieder sichtbar: die Sonne hatte sie also wirklich freigegeben. Aber nur bis zum nächsten März, wo ich ihr erneutes zusammenkommen dann auf festem Boden mitverfolgt werde!

 

Peter Kronenberg

AGL