Bereits nach der Sofi in Island überlegten wir, wie und wir die Sonnenfinsternis 2006 beobachten können. Lybien war natürlich erste Wahl, wenn möglich auf eigene Faust, wir mussten aber Anfang 2005 feststellen, dass dies aus politischen Gründen nur mit einem Reiseanbieter möglich ist. Diese rieten uns für eine solche Reise mit unserem Nachwuchs ab, da dies zu anstrengend sei.

Die nächste Idee war mit dem eigenen Fahrzeug  in die Türkei zu fahren um bei unsicherer Wetterlage mobil zu bleiben. Diese Idee zerschlug sich, als wir feststellten, dass die Fähre Venedig - Izmir zu dieser Zeit den Betrieb noch nicht aufgenommen hat und die Anreise über Land doch einige Tage Zeit und sehr viele Kilometer geben würde. So nahmen wir im Herbst 05 Kontakt auf mit Peter Kronenberg. Er gab uns den Tipp, ein Angebot von Vögele Reisen zu nutzen, welches ein Hotel nahe der Zentrallinie anbietet.

So reisten wir mit einigen AGL’ern in die Südtürkei nach Colakli bei Side und waren im Hotel Golden Coast untergebracht.

Wir mieteten 3 Tage ein Auto um die Gegend nach einem guten Finsternisplatz auszukundschaften. Anhand der Strassenkarte hatten wir uns zuhause schon einige Plätze vorgemerkt. Wie wir aus  Erfahrung wissen, gibt es vor Ort immer einiges, welches unerwartet ist und einen Beobachtungsplatz unzugänglich oder uninteressant macht. So waren in der Türkei im Gebirge öfters Wolken, welche mehr oder weniger dicht waren oder näher zum Meer kamen. Unser Traumplatz wäre in Akseki gewesen, ein Aussichtspunkt mit Rundumsicht auf 1400 m ü.M. ziemlich genau auf der Zentrallinie. Aber bei der Rekognoszierung haben wir festgestellt, dass die Bergstrasse noch schneebedeckt war und zwar von beiden Seiten. Mit unserem Mietauto abseits der Zivilisation wollten wir kein Risiko eingehen. Zudem sahen wir auch ein Wolkenproblem, ein Tag vor der Finsternis war der Himmel mehr oder weniger zu, obwohl am Morgen, als wir vom Hotel wegfuhren das schönste Wetter war.

 

So fuhren wir durch die Berge und suchten weitere möglich ideale Beobachtungsplätze. Wegen dem Wolkenaufkommen in den Bergen haben wir auch eher in Meeresnähe gesucht.

Am Finsternistag beschlossen wir, da der Tag „strahlend blau“ begann, doch in die Berge zu fahren.

Mit dem Mietwagen sind wir die Strasse von Yaylaalan nach Ürünlü gefahren um „unseren“ Beobachtungsplatz einzunehmen.

 

Den Ort N 36 58.194 / EO 31 31.660 auf 1121 Meter über Meer mit freiem Blick aufs Meer (ca. 30 km Luftlinie) haben wir am Tag zuvor rekognosziert.

 

 

Bei der Anfahrt in die Berge entdeckte ich ein … zwei… drei ... uiii …. mehrere grosse Autobusse und wenig später waren wir in einem grossen Autobussstau…mitten in einem kleinen Dorf. Die Strasse war sehr eng in diesem kleinen Bergdorf Yaylaalan, Touristen stiegen aus um Fotos zu machen und die Moschee zu besichtigen, und wir standen mitten drin mit unserem Auto. Kein vor und kein zurück…(mir wurde fast schlecht, nur noch ein Gedanke …… nur noch 1¼ Stunde bis erster Kontakt und nun so etwas….. nicht vorauszuahnen…..

Aber bald ging es weiter, es waren „Schnell-Schnell-Touristen“, welche auch zu einem Sonnenbeobachtungsplatz unterwegs waren und dieses Dorf im Schnelldurchgang besichtigten und fotografierten.

So fuhren wir den Berg hoch, hinter oder zwischen den Autobussen, wichtig war uns nur, dass es vorwärts ging, alles andere war mir egal. In Gedanken sah ich schon tausende von Leuten an unserem idealen Beobachtungsplatz und ich ärgerte mich, dass wir nicht schon viel früher losgefahren sind. Je näher wir an den Platz kamen uns so erleichterter waren wir, es doch noch geschafft zu haben…

 

Die vielen Touristenbusse!!!

Blick in Richtung Westen

Vater beobachtet, Sohn schaut zu!

Die türkischen Nachbarn.

Blickrichtung zu den Bustouristen

 

Bei „unserem“ Beobachtungsplatz an einer Stichstrasse hatten sich bereits türkische Landsleute eingerichtet. Die Busse fuhren weiter (Gott sei Dank). Wie wir feststellten waren die Busstouristen ca. 1bis 2 km weiter auf einer Felsnase zum beobachten und wurden mit „weihnächtlicher“, besinnlicher Musik berieselt.

Wir richteten unseren Platz an der Strasse ein, während noch dutzende von Bussen an uns vorbeifuhren….

 

 

Genau 12.38h fing der Mond die Sonne anzuknabbern, immer wartet man gespannt auf diesen Zeitpunkt,… ist es nun wirklich der Moment…, stimmen die Berechnungen..., … ja es ist so!!!

 

1. Kontakt

Teekochen auf Türkisch

Fladenbrote backen

schon merklich dunkler

 

Den türkischen Beobachtern neben unserem Standplatz schenkten wir eine Finsternisbrille, damit sie auch geschützt beobachten konnten, sie fragten uns nach dem zeitlichen Ablauf. Wie wir dann erfahren haben, sind sie einfach auf den Berg gefahren weil sie wussten, dass heute um die Mittagszeit die Sonnenfinsternis ist, wann genau war für sie nicht wichtig, man sieht es dann schon. Von der Finsternisbrille waren sie hell begeistert, dass man ohne Probleme schon „etwas“ sah.

 

Bis ½ Stunde vor der Totalität fuhren immer noch Busse und Autos an uns vorbei, danach wurde es ruhiger. Auch oberhalb der Strasse versammelten sich nun immer mehr Beobachter im steinigen Gelände.

 

Je näher der 2. Kontakt kam, umso kühler wurde es. Wir mussten sogar einen Pullover anziehen. Inzwischen wurde es auch merkbar dunkler. Faszinierend ist auch immer das verschwinden der Schatten und das spezielle Eindunkeln bei den Totalen. Kurz vor der Totalität wurden die Lichtverhältnisse sehr diffus, man sah die Venus leuchten. Richtung Meer sah man auch rote Blinklichter von 3 Leuchttürmen. Mit einem Mal gab es etwas wie eine Abenddämmerung, dann wurde es sehr schnell dunkel.

 

 

die Finsternis schreitet voran

2. Kontakt mit dem Diamatring

Die Korona ist neben dem Diamantring bereits zu sehen.

Minimumskorona

Blick nach Westen während der Totalität.

 

 

Der letzte Lichtstrahl wurde vom Mond verdeckt. Am Himmel Richtung Meer war in weiter Ferne eine Art Abendröte zu sehen. Die Korona leuchtete am dunklen Himmel wunderbar. Es war sehr still. Wir genossen den Moment. Auch David war sehr ruhig und staunte. Beat machte ein paar Fotos von der Totalität, ich ein paar von der Umgebung. Zwischendurch beobachteten wir mit dem Feldstecher oder einfach ohne Hilfsmittel und es war sehr beeindruckend.

 

Kurz nach dem 3. Kontakt mit Blickrichtung Westen

3. Kontakt

Der Mond verabschiedet sich langsam von der Sonne

Andrea und David

Sonnenfinsternisreisen finde ich cooooollll!!!!!!

 

 

Sehr schnell kam nach der Totalität die Helligkeit wieder aber man sah die Venus noch einige Zeit leuchten. Sehr interessant ist, dass es 10 Minuten nach der Totalität noch 1 Grad abkühlte und es erst 17 Minuten später wieder mit der Erwärmung begann.

 

 

Temperaturkurve auf 1121 m über Meer

   
12.38 h    20 Grad 1. KONTAKT   
13.28 h 18 Grad  
13.40 h 16 Grad  
13.48 h 15 Grad 13.55h    Kernschattenfinsternis beginnt
14.00 h  13 Grad 13.58h    Kernschattenfinsternis endet
14.10 h    12 Grad  
14.20 h  12 Grad  
14.27 h  13 Grad  
14.34 h  14 Grad  
14.40 h 15 Grad  
14.47 h 16 Grad  
14.53 h 17 Grad  
15.00 h 18 Grad  
15.06 h 19 Grad  
15.12 h  20 Grad  
15.13 h 20 Grad  4. Kontakt

es wurde nicht mehr wärmer.

 

Windverhältnisse;

Vor der Sonnenfinsternis war ständiger Wind ca. 3 Beaufort mit Böen. Wir mussten den Fotoapparat mit dem Stativ hinter das Auto in den Windschatten stellen. Während der Totalität war es mehr oder weniger windstill, mit kleinen Böen.

Nach der Finsternis war es windstill.

Den "Schatten kommen sehen" haben wir, trotz Weitsicht nicht wirklich, es war vielleicht zu wenig klare Luft , zuwenig Fernsicht, den diesen "Moment" haben wir sicher nicht verpasst!.

Tiere konnten wir keine beobachten, da unser Beobachtungsort, eine Stichstrasse im Gebirge keine Tiere in der Umgebung hatte.

15 Minuten nach dem 3. Kontakt kamen schon wieder die ersten Busse gefüllt mit sonnenhungrigen Touristen, welche sicher möglichst schnell wieder am Meer an der Sonne liegen wollten …und kurz vor dem 4. Kontakt kam bereits ein Traktor mit einem Anhänger voll Güsel… (alles bestens organisiert … und vor allem „express“ … für die „Schnell-Schnell-Touristen“ …)

Im Osten (weiter im Gebirge) waren schon zu Beobachtungsbeginn Wolken, welche sich gegen Mittag verdichteten und in der zweiten Finsternishälfte auch immer näher zu uns ausbreiteten. Bei uns hatte es 10 Minuten nach dem 3. Kontakt Schleierwolken.

Finsternisse machen hungrig

Weitere Nachbarn am Erholen nach der Finsternis

 

Am Abend und in der darauf folgenden Nacht war der Himmel bedeckt, der nächste Tag war auch bedeckt mit einigen Aufhellungen… also wieder einmal glück gehabt…

Es war unsere 4. Sonnenfinsternis, es war grandios und wir können sagen, jedes Erlebnis war komplett anders, andere Umgebung, andere Verhältnisse, andere Vorbereitungen, andere Länder.

die zunehmende Mondsichel in Side am 31. März 2006

Presseberichte in der türkischen Zeitung

 

Zu den Fotos: Wir sind damit zufrieden, das ganze drum herum war einfach genial und sehr erlebenswert. Die Finsternisfotos kurz vor, während, und kurz nach der totalen Finsternis könnten besser sein, wir haben schon bessere gemacht…

Aber wir stecken den Massstab auch immer höher, vor allem wenn man 2 Tage nach der Finsternis die Fotos von Walter Bersinger gesehen hat. Die sind natürlich absolut vom Besten!

mit freundlichen Grüssen

david, andrea und beat giger-marbach

 

Alle Bilder Copyright by david, andrea und beat giger-marbach

 

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