Sofi 06,  Side Türkei

 

 

Lebe deine Träume – sagte ich mir und buchte einen Kurzurlaub nach Side - Türkei um meine erste totale Sonnenfinsternis zu erleben.

Das Flugzeug nach Antalya war voll von Gleichgesinnten, was erklärte, weshalb es etwas schwierig war so kurzfristig noch eine Unterkunft zu finden.

 

 

 

In Side angekommen, machte ich mich auf zur Entdeckungstour. Überall ein Riesen- Rummel und unzählige Sonnenfinsternishungrige. Beim Apollotempel war schon ein hektisches Treiben zu beobachten. Weiter ging es zu den Ruinen vor der Hafenstadt. Gigantisch was hier einmal für eine Stadt gestanden haben muss.

Am Strand genoss ich noch einen malerischen Sonnenuntergang, was auf gutes Wetter hoffen liess.

 

Und tatsächlich am Tage X weckte mich die Sonne. Auf der Suche nach dem optimalen Beobachtungsplatz staunte ich über das emsige Treiben und die Hektik wo überall zu spüren war. Da ein Bus voller Franzosen, dort einer aus Tschechien, Unmengen von Privatautos aus Deutschland, Holland usw. Alle damit beschäftigt sich ein gutes Plätzchen zu ergattern und ihre Beobachtungsgeräte zu positionieren.

Am Schlimmsten war der Massenauflauf beim Apollo- Tempel. Mittendrin viele Fernsehteams die direkt aus Side dieses Ereignis übertragen wollten.

 

Für mich war klar. Ich wollte einen ruhigeren Ort mit Überblick. Langsam machte ich mich auf den Weg zurück zu meinem Hotel, um meine Ausrüstung zu holen. Kurz vor dem Hotel fiel mir ein Neubau auf, welcher  die Küste deutlich überragte und eine gute Sicht aufs Meer bot. Ich habe mich kurz mit den Bauarbeitern unterhalten und ich durfte das Ereignis von der Dachterrasse beobachten. Nun schnell ins Hotel, meine Sachen packen und rauf aufs Dach der Baustelle.

 

Nach dem Aufstellen meines Maksutov Speigelteleskops aus Russland (Rubinar 1000mm F10) zusammen mit meiner Minolta X700 Kamera hatte ich Zeit mich mit den anderen Beobachtern und den neugierigen Bauarbeitern zu unterhalten.

Interessant war, dass die einheimischen Bauarbeiter wohl entsprechende Sonnenfinsternisbrillen hatten, jedoch nicht genau wussten, was vor sich ging am Himmel. Des Weiteren waren sie beunruhigt, da nach der letzten Sonnenfinsternis in der Türkei ein starkes Erdbeben das Land erschütterte. Zum Glück hatte ich ein Taschenbuch dabei in welchem viele Bilder und Zeichnungen waren. Damit konnte ich ihnen das Ereignis erklären.

Die Zeit schritt voran und der Mond bewegte sich langsam vor die Sonne. Alle 10 Minuten knipste ich ein paar Fotos mit unterschiedlicher Belichtungszeit. Da ich Diafilme verwendete konnte ich das Ergebnis nicht gleich sehen und war auf mehrere Aufnahmen angewiesen. Zwischendurch habe ich das Spektakel mit einem 8x30 Fernglas mit Schutzfilter beobachtet.

 

Langsam verdunkelte sich die Umgebung immer mehr und ein frischer Wind setzte ein. Ich empfand eine gespenstische Ruhe und eine verringerte Temperatur. Kurz vor der Totalen entfernte ich meine Schutzfilter und fotografierte den Diamantring-Effekt.

Nun wurde ich ein wenig hektisch. Die Zeit verstrich viel zu schnell und ich bekam das Gefühl, nicht genügend Zeit zu haben um die Totale Sonnenfinsternis zu erleben. Zu stark war ich damit beschäftigt das Ereignis fotografisch festzuhalten.

 

Neben den Aufnahmen mit dem Spiegelteleskop verwendete ich noch eine zweite Kamera mit einem 17 mm Weitwinkelobjektiv. Mit dieser fotografierte ich Richtung Horizont und Sonne.

Überwältigend war für mich der rötliche Schein und die Fackeln bei der Korona.

Mit blossem Auge war der Anblick überwältigend.

Ich spürte eine tiefe Befriedigung, Dankbarkeit und ein Glücksgefühl, dass ich dieses Ereignis miterleben durfte. Leider war dieser Augenblick nur sehr kurz und schon schob sich die Sonne wieder vor den Mond

 

Natürlich knipste ich weiter Bilder bis sich die ursprüngliche Himmelskonstellation wieder eingestellt hatte.

Langsam wird es wieder Alltag. Zurück im Hotel diskutierte ich mit den Ungarn über die Sonnenfinsternis. Diese waren bereits dabei ihre digitalen Bilder auszuwerten und ins Internet zu stellen. Wahnsinn wie schnell heute alles geht.

An diesem Abend war der Sonnenuntergang von Wolken getrübt und auch am Donnerstag lichtete sich der Himmel erst gegen Mittag. Wir alle hatten also ein Riesen- Glückstag.

Den Donnerstag verbrachte ich nochmals in Side als Tourist. Mir gefielen die alten Gemäuer, Gewölbe und Rundbögen sehr, da ich die Technik und Fertigkeit kenne und verstehe wie viel dahinter steckt.

Am Freitagmorgen in aller Frühe flog ich von einem regnerischen Antalya wieder zurück in die bewölkte Schweiz.

Zwei Wochen später konnte ich dann endlich meine 5 Diafilme der Sonnenfinsternis sehen. Ich war und bin noch überwältigt vom Resultat. Sie sind meine Erinnerungen an einen gelebten Traum.

Vielleicht werde ich nun Sonnenfinsternis süchtig.

Beim nächsten Mal werde ich diese vermehrt  nur noch geniessen und beobachten.

 

Jörg Lang

Alle Bilder Copyright beim Autoren.

 

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