Bericht über die Sonnenfinsternis in Ägypten von Arnold Oberschelp

 

Anneliese und ich hatten eine Reise nach Ägypten gebucht. Dort waren gute klimatische Bedingungen zu erwarten, und wir wollten auch gerne die Altertümer Ägyptens sehen. Die Reise sollte sich auch dann lohnen, wenn vier Minuten Wolken den Hauptzweck vereiteln.  Es war eine Leserreise von „Sterne und Weltraum“, drei Gruppen mit insgesamt 120 Teilnehmern. Sie stand unter der astronomischer Leitung von Joachim Biefang,  der seine „Reisestern­warte“ mitführte, insbesondere einen 31-cm-Dobson mit Ha-Einrichtung. Außer uns beiden war übrigens von den 2003-er-Finsternisjägern aus Island noch Dieter Best mit von der Partie.

Ich selbst wollte gar nicht groß fotografieren und hatte mein Questar, das mich sonst stets begleitete, nicht mitgenommen. Vielmehr wollte ich hauptsächlich während der Totalität die Corona durch mein 20 X 77 Miyauchi Großfernglas genießen.  Ich will hier nicht über die vielen großartigen Erlebnisse berichten, die wir in der Wüste und bei den beeindruckenden Altertümern, von den Pyramiden in Gize bis zum Ramses II-Tempel in Abu Simbel hatten. Ich beschränke mich auf die SoFi. 

Zwei Tage vorher waren wir in der Oase Siwa. Dort suchte uns nachmittags ein Sand­sturm heim und in der Oase  regnete es sogar etwas.  Da wurden manche doch nervös. Aber Joachim Biegfang verbreitete Zuversicht. Er bekäme immer die neue­sten Wetter­berichte, diese würde immer genauer, je näher der Termin rücke, diese Störungen, auch der gegenwärtige in As Sallum fallende Regen seien genauso vorherge­sagt. Aber am Tag der Finsternis sei dort wolkenloser Himmel zu erwarten.

Die Nacht vor der Finsternis verbrachten wir in Matrouh am Mittelmeer über 200 Kilometer östlich vom Beobachtungsort. Dort trafen sich die drei Reise­gruppen. Aber die Gruppe 3 musste weiterfahren und am Beobachtungsort in Zelten schlafen, da es kein Hotel mehr für sie gab.

Am 29. März mussten wir schon um 3:15 Uhr aufstehen, weil wir vor 7 Uhr im Ort As Sallum sein wollten. Dort sei danach mit Sperrungen zu rechen, weil Präsident Mubarak auch die SoFi sehen wolle. Und wo er nahe ist, wird die Straße gesperrt.

Es war ziemlicher Verkehr auf der Küstenstraße nach Westen, doch passierten wir As Sallum kurz vor sieben Uhr. In Serpentinen ging es hoch zum libyschen Plateau, wo noch Spuren des letzten Regens deutlich waren und wo unser Beobachtungs­camp war (310 34,95/ Nord, 250 07,70/ Ost, 170 m). 

Es war ein Riesenbetrieb, Zeltstädte waren aufgebaut, Kontrollen allerorten, es wimmelte von Polizei und Militär. Es hieß, dass 12000 oder mehr Beobachter in As Sallum und Umgebung waren.

Unser Camp war etwa so groß, wie ein Tennisplatz, an einer Seite konnte man aber, wenn man gerne mit der Sonne und dem Mond ganz alleine sein wollte, in die freie Wüste gehen. An einer Längsseite standen die kleinen Zelte der Gruppe 3, gegenüber war ein großes Beduinenzelt, mit Teppichen ausgelegt und niedrigen Tischen und Stühlen. Dort konnte man Sachen ablegen und im Schatten sitzen. Auch eine Toilette gab es.

Joachim Biefang, Reiseleiter der Gruppe mit den Journalisten. Bericht kam im Spiegeltv.

Anneliese beim Beobachten.

Auf dem Platz wurde fleißig Equipment aufgebaut, natürlich auch der 31-cm-Dobson mit der Ha-Einrichtung. Ein Teleskop mit Coronado-Filter war zu sehen und vieles mehr. Aber die Sonne machte sich zunächst rar. Von Libyen her zogen immer wieder Schwaden von Hochnebel heran. Doch Joachim Biefang war gar nicht nervös. Und in der Tat, nach 10 Uhr hatte die Sonne den Nebel heruntergebrannt und es wurde wirklich ein makelloser Tag.

Vom ersten Kontakt (11:20 Uhr) bis zum letzten Kontakt (14:00 Uhr) verfolgten wir die Finsternis. Während der Totalität (12:38 bis 12:42) überwältigte mich wieder der wirklich überirdische Anblick der Corona um den pechschwarzen Mond. Ferner waren Venus (unübersehbar) und Merkur (deutlich schwächer) zu sehen. Ich hatte mir gerade vorher eine kleine Digitalkamera gekauft, die ich noch gar nicht richtig bedienen konnte. Ich hielt sie einige Male von Hand möglichst ruhig vor eines der  Okulare und versuchte Okularprojektion, Blitz ausgeschaltet, alles andere auf „Auto“. Über die Ergebnisse war ich selbst erstaunt.

Arnold Oberschelp an seinem Miyauchi

Partielle Phase 1/125 sec, F2.8, ISO64, 11:58 Uhr

Minimumskorona von Arnold Oberschelp.  1/60 sec, F2.8, ISO 64, 12:40 Uhr

Nach dem 3. Kontakt 1/10 sec, F2.8, ISO 64, 12:45 Uhr

Nach dem dritten Kontakt löste sich die Spannung. Es brandete Beifall auf und der Ruf „Zugabe“ war zu hören. 

Die nächsten Tage waren vom Wetter her keineswegs ideal, teils mit dünner Bewölkung. Wir hatten also wirklich den besten Tag der Woche erwischt.

Bericht von Arnold und Anneliese Oberschelp (Bericht zu dieser Reise ist unter Spiegeltv auf Vox gelaufen. DVD bei mir erhältlich)

Bilder unter Copyright von Arnold Oberschelp. Aufgenommen mit Olympus My Digital 800 und Kamerauautomatik.

 

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