Nur eine partielle SoFi Beobachtung über Sibirien...

 

Flug LX160, 29. Juli, 2008

Der Hinflug führte an Moskau vorbei Richtung Yekatrinenburg und nördlich des Baikalsees bis nach Chabarowsk, dann südwärts über die japanische See nach Tokyo.

Auf diesem Nachtflug sah man in der Dämmerung (es wurde nie ganz dunkel - die Sonne stand im Norden nicht all zu tief unter dem Horizont) aussergewöhnlich lange Leuchtende Nachtwolken. Sie schienen - ähnlich wie manchmal im Winter zu beobachtende Polarlichter, ringförmig entlang einem weiter nördlich liegenden Breitenkreis zu schweben; nur anstatt mit vertikalen Mustern waren sehr schöne horizontale Wellen und cirren-artige Fächer zu beobachten.

 

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Flug LX161, 1. August, 2008

Für schweizerische Verhältnisse früh mussten wir wieder aus den Federn. 7:45 Uhr lokale oder 0:45 Schweizer Zeit! Entsprechend unausgeschlafen begann die Busfahrt zum Flughafen. 'Leider' war das Flugzeug schon pünktlich gelandet. In den Flugunterlagen fand sich kein aussergewöhnlich starker Gegenwind. Alle Passagiere waren zur Zeit an Bord, und ausgerechnet heute konnten wir ungehindert zur Piste rollen. Auch konnten wir keinen technischen Grund finden / erzeugen der uns hindern würde, flugplanmässig abzuheben. Nur der Abflug erfolgte in südlicher Richtung, mit einer weiten Rechtkurve gegen Tokyo um dann nordwärts vor der Japanischen See weiter auf die Luftstrasse zu gelangen, aber dieses Steigmanöver kostete uns nur knapp fünf Minuten.

Alles zu wenig um unseren Flug eineinhalb Stunden zu verzögern und damit doch noch durch die totale Finsterniszone fliegen zu können!

Kapitän Kaspar Flükiger, Copilot Jean-Luc Demand und ich waren zum ersten Mal ein wenig enttäuscht, dass wir mit gewohnter Präzision dem Flugplan folgten. Auch der schneelose Fujiyama im Westen machte uns nicht so Freude wie sonst.

Da heute Kaspar startete, sprach er etwas später zu den Passagieren und kündigte ihnen ein spezielles, astronomisches Ereignis an. Wir wussten nun, dass es halt erst in rund 8 Stunden so weit war, und wir 1:35 zu früh über die Zentrallinie fliegen würden.

Vorläufig konnten die Passagiere essen und wieder weiterschlafen. Wir allerdings klappten unsere MacBooks auf und starteten unsere Starry Night Pro Software, gaben ein paar Wegpunkte ein (nach der Finsterniszone) um zu eruieren, wann und wie wir das Maximum der partiellen Phase sehen würden. Genau so wie auf dem Bildschirm präsentierte es sich dann später. Ebenso machten wir unser Kameras bereit, und testen verschiedene Filter. Probleme tauchten auf, da teilweise mit den kleinen Digitalkameras ein Einstellen auf Unendlich nicht möglich war, oder durch die Filter der Sonnenrand nicht scharf genug abgebildet wurde. Kaspars Kamera und sein Mylarfilter sollten das beste Ergebnis bringen.

Ich konnte nun vorerst einmal 3 Stunden Nachschlafen gehen, während die andern beiden die A340 durch Ostsibirien steuerten.

Etwas aufgeregt konnte ich darauf Kaspars linker Sitz übernehmen, sodass auch er sich noch rund 3 Stunden flach hinlegen konnten. Mit Jean-Luc reisten wir nun hoch oben über die wilde Landschaft welche mit ihren sanft bewaldeten Hügeln und mäandernden Flüssen durch die weite Unberührtheit besticht.

Wir überflogen die Finsterniszone bei Nadym wie wenn nichts wäre. Unter uns die Tundra, etwas stark bewölkt allerdings, die Sonne kugelrund. Nur den russischen Flugverkehrssleitern blieb uns eine schöne SoFi zu wünschen. Der erste Kontakt hatte noch nicht stattgefunden, und doch würde hier unten bald etwas Atemberaubendes passieren - und wir waren zu früh!

Uns erinnerte die Absage unserer Vorgesetzten, diesen Flug ausnahmsweise zu verzögern, an den Faux-pas der sich die Swiss leistete als sie die Alinghi-Crew nach dem 1. Americas Cup - Sieg nicht aus Neuseeland heimflog, sondern dies der Konkurrenz überliess (von Valencia heim ging es dann plötzlich - wahrscheinlich um sich diesmal der Schmach der Boulvard-Presse zu entziehen). Aber eine Minderheit hatte Anschlussflüge, und ein frühzeitiges Ankünden, eventuelles Umbuchen derjenigen war als zu sehr EBIT-belastend für die Swiss erachtet worden. PR-mässige Vorteile konnten nicht quantifiziert werden und sind somit gleich null.

Mit Sonnenfinsternisbrillen versuchte ich den ersten Kontakt zu erhaschen. Da wir uns ja dynamisch dieser Linie näherten, wussten wir nicht auf die Minute genau wann dies geschehen würde. Natürlich verpasste ich diesen Moment um eine kurze Weile!

Ich hatte speziell eine Schachtel Sonnenfinsternisbrillen mitgebracht um diese bald den Fluggästen verteilen zu lassen und entsprechend schon überlegt, wie ich ihnen das sich im Ablauf befindliche Schauspiel ankündige. Nun meinte aber der Kabinenchef Giuseppe Priolo, als ich ihn über meine Absicht informierte, dass es sehr ungünstig wäre zu den Erstklass- und Business-Passagieren zu sprechen, da wirklich fast alle schliefen und zum Ausdruck gebracht hatten, nicht gestört zu werden. In der Economy war es umgekehrt: hier waren alle wach, und er befürchtete ein Chaos falls alle auf die linke Flugzeugseite stürmen würden.

Somit liess ich einfach durch zwei Flugbegleiterinnen 60 SoFi-Brillen an interessierte Leute verteilen und liess ihnen ausrichten, dass sie ab jetzt mit diesen Brillen die partielle Phase beobachten können. In der Zwischenzeit machte ich ein paar Löcher in eine Papierserviette, um im Cockpit den wechselnden Anwesenden die Sonnensichel auf eine lustige Art zu zeigen.

Der Mond hatte sich nun schon zu einem Drittel über die Sonne geschoben, und Kaspar wurde geweckt. Er sass dann wieder auf der linken Seite mit dem besten Platz zum Fotografieren: die Sonne war nun links vorne auf einer Höhe von rund 40°.

 

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Er schoss rund 50 Bilder bis zum letzten Kontakt. Wir schätzten, dass wir wie erwartet eine 80%ige Bedeckung erlebten. Immer wieder wurden auf den LCD-Bildschirmchen der Kameras die 'Jagdtrophäen' verglichen. Eine 45° Kurve kurz gegen Norden und Blick zurück zur Finsterniszone, welche nun rund 500 nautische Meilen hinter uns lag, erbrachte nicht den erhofften Eindruck dass dort hinten der Tagfür über zwei Minuten zur Nacht wurde - es war einfach schon zu weit hinten und unter dem Horizont.

Wie es kommen musste, wurde die Sonne nicht mehr mehr bedeckt, sondern wieder langsam heller. Aber wir bemerkten doch ein etwas finstereres Licht als zuvor im Cockpit! Nun galt es noch wenigstens den 4. Kontakt zu erhaschen - was auch gut gelang.

Unser Flug war dennoch etwas Besonderes. Die Spannung so nahe dran gewesen zu sein, die ausgelassene Atmosphäre auf dem Flug, und trotzdem eine professionelle Büetz geleistet zu haben, war toll. Die Crew dankte uns für unsere astronomische Expertise, ja sogar Passagiere waren beeindruckt das man versuchte nicht nur im Flugzeug selber sonder auch ausserhalb ein positives, unvergessliches Erlebnis zu bieten.

Mit ein wenig Westwind und Regen landeten wir auf unserem Heimatflughafen. Aber ein nicht alltäglicher Flug war zu Ende. Die nächste totale Finsternis, wo auch Swiss hinfliegt, kommt ja schon im nächsten Juli in Shanghai!

Peter Kronenberg, Präsident AGL

Bilder aus dem Cockpit und der Kabine ->

 


Copyright AGL 2008, Luzern, 11. August 2008