Sonnenfinsternis vom 22. Juli 2009 in Indien

 

Mit etwas Glück war es mir möglich eine Geschäftsreise so zu planen, dass ich die längste Sonnenfinsternis dieses Jahrhunderts in Indien erleben durfte. Nach einigen vorangegangenen Kundenbesuchen machte ich mich zusammen mit meinem Indischen Geschäftskollegen am 21. Juli auf den Weg nach Baroda, auch Vadodara genannt.

 

 

Die  knapp 1 1/2 Million Einwohner zählende Stadt liegt ca. 450 Km nördlich von Mumbai  22.33°N 73.20°E im Bundesstaat Gujarat. Die Stadt ist ein alter Königs Ort und wird auch Sun City genannt. Das lässt Zuversicht aufkommen, da die Wahrscheinlichkeit eher klein ist die Sonnenfinsternis zu sehen, da im Monat Juli Monsunzeit ist und der Himmel meist bedeckt ist.

 

Nach weiteren Kundenbesuchen machten wir uns auf um einen geeigneten Standort für den grossen Moment zu finden. Im lokalen Planetarium erfuhren wir, auf welchen Plätzen die Bevölkerung dieses Ereignis mitverfolgen wollte.

 

 

Eines von ca. 20 Planetarien in Indien.

 

 

Eine Anschauungstafel beim Planetarium vom Universum in Hindi Sprache.

 

 

Der zweite Platz, die Urmi Hochschule mit ca. 6000 Schülern entsprach meinen Vorstellungen eines idealen Beobachtungspostens.

Sogleich wurde ich von der Direktion willkommen geheissen und durfte mir einen Beobachtungsplatz auf der Dachterrasse auswählen.

Gegen Abend begann es wieder heftig zu regnen und somit gingen wir früh zu Bett.

Für mich war es beeindruckend, wie viele Nachrichtensender am Fernsehen schon Tage zuvor ausführlich über das Ereignis berichteten. Interessant war zu sehen, wie die verschiedenen Religionen in Indien das Ereignis deuteten und welche Vorsichtsmassnahmen getroffen werden sollten. Einige lebten sogar in der Hoffnung, dass sie von ihrem Gebrechen geheilt werden.

 

Der 22. Juli  war da und gespannt schaute ich zum Fenster hinaus. Es hatte zwar aufgehört zu regnen, jedoch waren keine Sterne zu sehen. Dies liess auf einen bewölkten Himmel schliessen. In der Hoffnung das Ereignis der Sonnenfinsternis wenigstens ein wenig durch die Wolken beobachten zu können, machten wir uns auf den Weg zur Urmi Schule.

Als wir um 05:45 bei der Schule eintrafen herrschte auf dem ganzen Schulhofareal schon ein reger Betrieb. Bei Kerzenschein wurden der neue Tag und das bevorstehende Ereignis mit Liedern begrüsst.

 

 

Auf der Dachterrasse hatte sich, neben etlichen einheimischen Besuchern sogar das lokale Fernsehteam für die grosse Live-Reportage installiert.

 

 

Um ca. 06:00 fing die Dämmerung an. Nun war klar zu erkennen, dass die Wolkendecke zu stark war um die Sonne zu sehen. Trotzdem machte ich meine Fotoausrüstung einsatzbereit. Man kann ja nie wissen. Meine Ausrüstung bestand aus einem Reisestative mit Schwenkkopfmontierung, einer Canon EOSD350 Spiegelreflexkamera mit einem 500 mm Seimar Teleobjektive mit 1,5 Fach Telekonverter was eine Totale Brennweite von 1200 mm ergab. Damit hätte es schöne, füllende Bilder gegeben. Daneben benutzte ich noch eine kleine Canon PowerShot Digitalkamera um kleine Videoszenen zu filmen und Schnappschüsse zu knipsen. Daneben für die visuelle Beobachtung hatte ich ein 8x30 Fernglas bereitgestellt.

 

 

Die anfängliche Erhellung des Tageshimmels nahm nun mit der voranschreitenden Zeit wieder deutlich ab und um 06:20 war es wieder stockdunkel. Die lokale Totalitätsphase war eingetreten, ca. 2° über dem Horizont. Nach knapp einer Minute begann sich jedoch der Wolken verhangene Himmel schnell wieder aufzuhellen, da Baroda am äussersten Rand der Totalität lag.

Vorbei waren das Spektakel und viele, viele enttäuschte Gesichter und Gemüter auszumachen, inklusive meines selbst. Leider es war ja mehr oder weniger voraussehbar gewesen, da Monsun halt Monsun ist und man schon sehr viel Glück gebraucht hätte um an der Wesküste von Indien dieses Ereignis zu sehen und zu spüren.

 

 Da die verschiedenen Fernsehstationen aus Indien das Ereignis live übertrugen, konnten die enttäuschten Finsternis-Besucher und Schüler die totale Sonnenfinsternis wenigstens via Satellitenübertragung auf dem Schulhof mitverfolgen.

 

 

 

Während der Sonnenfinsternis wurden von den Schülern einige Experimente, wie Pflanzen und Fische auf das Ereignis reagierten, durchgeführt.

 

Zudem waren einige Schüler, sowie Erwachsene interessiert mal durch ein Teleskop oder ein Fernglas schauen zu dürfen und zeigten ihre Freude sehr spontan.

 

 

 

 

Da kaum zu erwarten war, dass sich die Wolken lichten werden und noch eine Phase zu sehen sein würde, packte ich meine Utensilien zusammen und bedankte mich herzlich bei der Direktion der Schule. Diese Sonnenfinsternis wird mir nicht als das Ereignis selbst  in Erinnerung bleiben, dafür die besondere Atmosphäre der Schule mit ihren begeisterten und neugierigen Schülern.

 

 

 Rothenburg 02.08.2009        Joerg Lang