| Sonnenfinsternis vom 22. Juli 2009 in Wuzhen | |||||||||||||||||||
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Krimi-Finsternis in Wuzhen Pascal Kaufmann (Text und Fotos sofern nichts anderes erwähnt)
Wuzhen ist ein historisches Wasserdorf und liegt rund 120 km südwestlich von der chinesischen Metropole Shanghai entfernt. Es befindet sich etwa auf dem 29. Breitengrad, leicht nördlich der Zentrallinie. Das Klima ist subtropisch und um diese Jahreszeit ist Monsunzeit.
Die Tage vor der Sonnenfinsternis im Grossraum Shanghai waren alle schön mit harmlosen Wolken. Die Temperatur betrug um die 36°C und die relative Luftfeuchtigkeit erreichte Werte um die 85%. Der Wetterumschlag kam am Vorabend der Finsternis. Während es am 21.7. tagsüber schön und heiss war, bildeten sich nach etwa 20 Uhr grosse Wolken und in der Ferne sah man die Blitze zucken, teilweise hörte man auch Donner. In Wuzhen selbst hat aber kein Gewitter stattgefunden.
Beim Aufstehen am Finsternismorgen hat es geregnet. Dementsprechend sah man beim Frühstück nachdenkliche Gesichter. Die Grundstimmung der positiv verlaufenen Vortage ist in eine Ernüchterung umgeschwappt. Der Regen ging in ein Nieseln über, was gegen 8 Uhr aufhörte.
Der erste Kontakt um 8:21 Uhr Lokalzeit war grau in grau,
nichts von der Sonne zu sehen. Die meisten Leute im Wasserdorf Wuzhen
beobachteten im Wassertheater, wo man einen guten Blick auf den
Osthimmel hatte. Man spürte nun den Hauch der Enttäuschung im
Wassertheater. Einige kamen erst jetzt einmarschiert und überlegten
sich, ob sie eigentlich etwas aufstellen sollten. Zu diesem Zeitpunkt
waren ein chinesisches Fernsehteam und ein ZDF-Team aus Deutschland eine
gute Ablenkung beim Publikum. http://www.zdf.de/ZDFmediathek/content/802118
http://www.zdf.de/ZDFmediathek/content/802386
http://www.zdf.de/ZDFmediathek/content/802358
Die nächste Wolke ist schon dabei vor die Sonne zu gleiten. Es ist also Realität, man hat eine Wolkenlücke erwischt. Wegen der starken Bewölkung sieht man keine Sterne und Planeten. Vögel ziehen vorbei, aber es sind keine Laute von der Tierwelt zu vernehmen. Durch Finsternis und Bewölkung ist es nun sehr dunkel geworden; man kann nichts mehr ohne Hilfsmittel lesen oder irgendwie den Thermometer ablesen. Am südöstlichen Horizont ist ein orangefarbenes Band zu erkennen, ein Gebiet, das nicht mehr im Mondschatten liegt. Die total verfinsterte Sonne verschwindet immer wieder hinter einer Wolke. Alle warten gespannt, bis die nächste Lücke erscheint. Wegen der Bewölkung hat man zeitweise den Eindruck eine ringförmige Sonnenfinsternis vor sich zu haben.
Schon ist der dritte Kontakt da. Vor lauter Mitfiebern hat man gar nicht gemerkt, dass die 5 Minuten 50 Sekunden Totalität schon um sind. Der Mondschatten besass hier eine Breite von 248 km und fegte mit 3083 km/h über uns hinweg. Kurz nach dem dritten Kontakt blinzelte die partielle Sonne noch zweimal.
Den Rest des Tages sieht man die Sonne nicht mehr. Im Verlaufe des Nachmittags gab es in Wuzhen dann Regengüsse.
Die Temperatur sank an diesem bewölkten, regnerischen Tag finsternisbedingt um rund 2°C. Interessant wäre zu wissen, wie sich der Temperaturrückgang an einem “normalen“ Hitzetag finsternisbedingt ausgewirkt hätte.
Anhand von Videoaufnahmen konnte man eine beobachtbare Totalitätsdauer von rund 40 Sekunden ermitteln. Es waren nicht die errechneten 5 Minuten 50 Sekunden, aber es war sehr spannend und eine spezielle fantastische Stimmung.
Obwohl man wusste, dass zu diesem Zeitpunkt in der subtropischen Monsunzeit die Wahrscheinlichkeit bei etwa 50% lag, zeigte sich bei den Leuten die Vorfreude, Ernüchterung, Enttäuschung, Hoffnung, Euphorie und Erleichterung. Beim Beobachten des Umfeldes sah man auch bei dieser Sonnenfinsternis Personen mit Augenwasser, Tränen in den Augen.
Es klingt paradox für diesen Tag : in Wuzhen sah man und schien die Sonne nur während der Finsternis, sonst den ganzen Tag nicht.
© PK Juli 2009 |
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| Nachtrag zum Bericht von oben von Andreas Walker:
Sonnenfinsternis in Wuzhen
Das Wetter war
seit unserer
Ankunft in China
die Tage vorher immer schön. In der Nacht zum Sonnenfinsternistag
entstand eine riesige Gewitterfront aus dem Nichts über unserem Gebiet.
Am Morgen regnete es noch, als wir unsere Kameras aufstellten. Etwa 20
Minuten vor der Totalität zeigten sich die ersten Löcher am Himmel.
Offenbar hatte der Mondschatten durch die Abkühlung die Thermik so
heruntergefahren, dass die Quellwolken unter dieser Zone in sich
zusammenfielen. Somit konnten wir die Sonne vor und nach der Totalität
sehen. Die Korona war durch die Wolken hindurch etwa 1,5 bis 2 Minuten
lang immer wieder sichtbar. Die Korona wurde mit zwei Sekunden belichtet. Da immer leichte Wolken vorhanden waren, wurde vor allem die innere Korona sichtbar.
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