Partielle Sonnenfinsternis vom 4. Januar 2011

 

Einige Mitglieder der AGL wollten nach einigen Jahren Unterbruch wieder eine partielle Finsternis im eigenen Land beobachten. Wir (Beat Bühlmann, Thomas Wyrsch, Luca Conconi) trafen uns am Morgen in der Sternwarte Hubelmatt um 07.00 Uhr. Dort gab es eine letzte Lagebesprechung.

Wie natürlich bei astronomischen Ereignissen üblich hat Petrus uns wieder mal übel mitgespielt. Gestern strahlend blau. Wettervorhersage ab Mittag auch wieder strahlend blau. Allerdings ist in der Nacht eine Warmfront mit hoher Schichtbewölkung über die Schweiz gezogen und wird wohl erst im Verlauf des Morgens sich verziehen. Also für uns wieder die Frage wohin fahren. Da das Mittelland unter einer Hochnebeldecke bei ca. 900 Metern steckt gibt es nur die Alternative der Berge. Wegen der hohen Schichtbewölkung wird es aber auch dort keinen absolut klaren Himmel geben. Also ab an den PC in der Sternwarte und schauen. Wir entschliessen uns dann Richtung Südwesten zu fahren um früher aus dem Bereich der Bewölkung zu kommen. Also mal Richtung Sarnen und schauen, ob wir aufs Langis fahren oder dann weiter Richtung Brünig. Unterhalb des Landenbergs war in Richtung Südosten weiter ein dichtes Wolkenbank zu sehen. Ganz im Südwesten gab es allerdings blaue Lücken. Also entscheiden wir, aufs Langis zu fahren. dort sind wir mit dem Standort unterhalb des Langis auf einer Höhe von ca. 1350 Metern auch sicher vor dem allfällig aufziehenden Nebel. Unterwegs trafen wir in einer Kurve ein altbekanntes Gesicht. Jörg Lang war vor der Arbeit mit seinem Teleskop auch auf Finsternisjagd.

 

Am Morgen hat die Sonne noch von unten her die Wolken angeschienen, doch dann war Schluss damit. Bild von Jörg Lang ein paar Kurven unterhalb unserer Position.

 

Oben gab es einen kleinen Parkplatz in der letzten grossen Rechtskurve. Von dort haben wir einen guten Blick Richtung Südosten und Süden. Die Aussentemperatur liegt hier oben bei ca. -8°. Gestern dürfte hier die Nebelobergrenze gewesen sein, da es überall "Biecht" an den Bäumen hatte. Zirka zum theoretischen Sonnenaufgang waren wir oben angekommen und bauten unsere Geräte auf. Wir haben das Lunt und den Refraktor von den Leihfernrohren der AGL mitgenommen. Ebenso hatte ich mein C8 mit dabei. Wir schätzen den Sonnenaufgang auf ca. 08.45 Uhr hier oben. Leider können wir hier keinen Ort erreichen, der einen absolut tiefen Südosthorizont hat.

 

Blick vom Aussichtspunkt wo wir unsere Geräte aufstellten. Die dichte Schleierbewölkung Richtung Südosten gefällt uns überhaupt nicht und zieht nur sehr langsam weiter. über uns war es aber schon fast blauer Himmel.

 

Gleichzeitig der Blick nach Westen, wo erste Blaue Felder sich zeigen.

 

Die aktuelle Lage am Himmel gefällt uns nicht, doch wir geben die Hoffnung nicht auf, dass es noch aufklaren wird. Im Westen gibt es ja entsprechende Aufhellungen. Kurz vor 09.00 Uhr geben wir unser erstes Liveinterview für das Radio Sunshine.

 

Markus am ersten Interview mit Radio Sunshine. (Bild Beat Bühlmann)

 

Der Himmel ist im Süden immer noch dicht. Wir schätzen, dass wir das Maximum hier nicht sehen werden; hoffen aber, dass wir wenigstens im 2. Teil der Finsternis noch was sehen werden.

(Bild Thomas Wyrsch)

Unterdessen gesellen sich noch weitere Personen zu uns. Ein Vater mit 2 Kindern und eine Frau möchten mit uns das Erlebnis teilen. Wir alle hofften. Da es kalt war genehmigten wir uns dann Tee, Suppen, Guetzli, Schokolade um uns ein bisschen aufzuwärmen. Die Zeit der maximalen Finsternis verstrich und noch keine Sonnenstrahl war zu sehen.

 

Dann erreichte mich ein Telefon von Andreas Walker. Er war zu dieser Zeit im Appenzellerland unterwegs. Den Beginn der Finsternis konnte er dort durch die Schichtbewölkung sehen. Von Westen her begann es aber langsam zuzuziehen. Er hatte also mehr Glück in der Ostschweiz.

Die Bilder wurden mit kurzen Belichtungszeiten 1/2500 sec und Blende 22 ohne Filterfolie gemacht. Die Brennweite beträgt 1200mm (auf Kleinbildformat umgerechnet). Kamera: Nikon D-300S

Nach mehrfachem Wechsel der Wetterprognose entschied ich mich für die Ostschweiz, da dieser Teil unseres Landes sich am Morgen des 4. Januars noch am nächsten des Hochdruckgebietes befand, das sich langsam zurückzog.

Die Bilder wurden am Punkt St. Anton (Gemeinde Oberegg, Kanton Appenzell) aufgenommen.

 

Bild: Andreas Walker, Aufnahmezeitpunkt: 08.39 Uhr

 

Andreas Walker mit Ausrüstung. St. Anton , Appenzellerland.

 

Fast um das Maximum 09.11 Uhr aufgenommen von Andreas Walker.

 

der nach links abwandernde Mond gibt immer grössere Teile der Sonne frei. Bilder Andreas Walker.

 

Wieder zurück auf dem Langis:

Die Zeit verstreicht und das Wolkenband zieht immer langsamer Richtung Südosten. Die Sonne bleibt verdeckt hinter den Wolken. Gemein ist, dass es im Westen immer mehr blaue Lücken hat. Ebenso über uns ist es blau. Wir können dem Radio Sunshine und deren Hörer auch keine besseren Nachrichten durchgeben. Luca hat hier oben ein bisschen kalt und verzieht sich zwischendurch ins Auto. Immer wieder fahren Autofahrer vorbei und wundern sich, was da im Gange ist. Ihre Blicke sagen viel aus, dass sie erst jetzt merken, was eigentlich gerade am Laufen ist.

 

Einige hatten besonders warm! Als Erinnerung das Geschenk von Eclipse-Reisen zu meinem 40. Geburtstag angezogen, also musste es auch mal gezeigt werden. Allerdings war es hier wohl kälter als in Patagonien im Juli.

Doch ich hatte wohl als einziger warm genug. (-8° Aussentemperatur) Solche Fotos macht man auch nur, wenn es am Himmel sonst nichts zu sehen gibt.

 

Wieso sind Beat und Thomas so dick vermummt. (Demonstration, geplanter Überfall?)

 

 
 
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Copyright AGL 2011, Luzern, 06. Januar 2011